Riesterrente: mehr als 16 Millionen Sparer können nicht irren…

…und vertrauen auf die Aussage von Walter Riester zur Einführung der nach ihm benannten Zusatzversorgung, dass sie dadurch „nicht nur heute, sondern auch in Zukunft mehr Rente erhalten als nach altem Recht“. Die Eckpunkte für die Riesterrente hören sich ganz gut an. Neben staatlichen Zulagen und Steuerersparnissen auch noch eine lebenslange Rente – was will man mehr? Doch wer profitiert tatsächlich von den zig Milliarden staatlicher Subventionen in Form von Zulagen und Steuervorteilen? Glaubt man den regelmäßig durchgeführten Produkttests, sind die Kosten für Riesterrenten oftmals deutlich höher als bei ungeförderten Rentenversicherungen. Diese fressen die Zulagen zumindest in den ersten Jahren komplett auf und sind vor allem für die Sparer nicht erkennbar. Wie sollen sie auch, wenn sogar die Spezialisten von Finanztest (Nr. 10/2010) die Kosten nur mit viel Mühe nachvollziehen können?

 

Die Qualität läßt nach

Nicht nur, dass die Kosten für einen Riestervertrag höher sind als bei ungeförderten Rentenversicherungen, so hat auch die Qualität der Riesterverträge deutlich nachgelassen. Ein 35-jähriger, der zu Beginn der Riesterförderung (2001) einen Vertrag abgeschlossen hat, kann mit einer fast doppelt so hohen Rente rechnen wie ein 35-jähriger, der dies zehn Jahre später gemacht hat. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Senkung des maximalen Rechnungszinses von damals 3,25% auf aktuell 1,75%, Einführung der Unisex-Tarife und Aktualisierung der Sterbetafeln mit deutlich höheren Lebenserwartungen. Diese drei Punkte haben wohl den größten Einfluß auf die sinkenden Rentenerwartungen genommen, betreffen allerdings auch die ungeförderten Verträge. Doch was macht die Riester-Rente in den Augen der Versicherungsnehmer immer noch so lukrativ? Natürlich das „Geschenk“ in Form von staatlichen Zulagen und steuerlicher Förderung! An den Geringverdienern geht allerdings die steuerliche Förderung „vorbei“, denen bleibt nur die staatliche Zulage. Ein Alleinstehender muß immerhin 4% seines Jahresverdienstes an Eigenleistung bringen, um in den Genuss der 154,- € an jährlicher Förderung zu kommen. Glaubt man hier den Untersuchungen, kommt auch schon die Ernüchterung: nur ca. ein Drittel der Riestersparer erhalten die volle Förderung, ein weiteres Drittel bekommt nichts. Diese haben entweder keinen oder einen fehlerhaften Zulagenantrag gestellt und mußten zum Teil die gewährten Zulagen wieder zurückführen. Bleibt ein weiteres Drittel übrig, die die Zulagen nur zum Teil erhalten, weil sie die für den Erhalt der vollen Zulage notwendige Eigenleistung nicht erbringen können.

 

Die Garantie der Riesterrente

Ein Riestervertrag garantiert zum Ablauf die Summe aller einbezahlten Beiträge inklusive der staatlichen Zulagen, allerdings nur dann, wenn während der Laufzeit der Anbieter nicht gewechselt wurde. Die bei einem Wechsel erneut anfallenden Abschlußkosten gehen zu Lasten des Sparers. Zu Lasten des Sparers geht auch die Inflation. Liegt diese durchschnittlich bei nur 2% p.a., verliert bei einem 25 Jahre laufenden Vertrag jeder Euro ca. 40% an Kaufkraft.

 

Fazit

Riestern ist nicht so sexy wie es von vielen dargestellt wird. Gerade Geringverdiener profitieren am wenigsten, da diese aufgrund ihres geringen Einkommens nicht in den Genuss der steuerlichen Förderung in Form des Sonderausgabenabzugs kommen und oftmals die für den Erhalt der vollen Zulage erforderliche Eigenleistung nicht erbringen können. Riestersparer, die ein Leben lang nicht viel verdienen, werden auch von den erhaltenen Zulagen nicht viel haben, wenn sie im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. In diesen Fällen wird auch die Riesterrente auf diese Sozialleistung angerechnet. Das Sozialamt freut sich…

 

 

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Ein Kommentar/Pingback zu “Riesterrente – der scheinbare Schutz vor Altersarmut

  1. Im Grunde einfach nur „unglaublich“, wie viele Menschen am Ende tatsächlich hier betrogen wurden. Das wiederum zeigt wieder, dass man sich Geldanlagemöglichkeiten immer ganz genau anschauen sollte und auch einen Vergleich durchführen sollte, in der Hoffnung am Ende die richtige Wahl zu treffen.

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